Die zunehmende Bedrohungslage durch die Russische Aggression erfordert nicht nur eine Anpassung der militärischen Strategie, sondern auch vorbeugende Maßnahmen der Zivilgesellschaft und damit auch der Wirtschaft. Dabei geht es nicht zwangsläufig um einen bewaffneten Konflikt: Cyberangriffe auf staatliche Einrichtungen und Unternehmen sind seit Jahren an der Tagesordnung und physische Sabotageakte z.B. auf Infrastruktur und Unternehmen nehmen zu. Gezielte Desinformationen sollen die Gesellschaft verunsichern und spalten.
Unternehmen müssen sich daher auf die Abwehr von Sabotage einstellen und Vorkehrungen für mögliche Ausfälle von Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, Unterbrechungen der Lieferketten oder Strom-, Wasser-, IT- und Telekommunikationsversorgung treffen.
Wie kann ich meine Gefahrenlage einschätzen?
Führen Sie eine Risiko-Analyse durch:
Je bedeutsamer die Rolle eines Unternehmens für die Verteidigung oder das Funktionieren von Staat und Gesellschaft, desto größer ist das Risiko eines möglichen Angriffs. Dabei kommt es nicht auf Bekanntheit oder Unternehmensgröße an. Haben Ihre Produkte oder Dienstleistungen eine zentrale Stellung z.B. als Zulieferer in der Wehrtechnik oder in der IT? Dann ist der Gefährdungsgrad natürlich höher. Je nach Spezialisierungsgrad können auch kleine Unternehmen ins Visier geraten. Sind Sie Teil der kritischen Infrastruktur? Oder sind Sie Hersteller von Lebensmitteln oder Medikamenten und Hygiene-Artikeln, die für die Versorgung der Bevölkerung ebenso wichtig sind, wie für das Militär? Für viele Unternehmen wird es unabhängig von ihrer Größe sinnvoll sein, mittels einer Risikoanalyse Gefahren und Schwachstellen zu identifizieren und daraus Maßnahmen zur Vorbeugung einzuleiten.
Welche vorbeugenden Maßnahmen kann ich ergreifen?
Leiten Sie aus der Risiko-Analyse einen Maßnahmenplan ab:
Dazu ist es oft hilfreich, zunächst einen Sicherheitsbeauftragten zu benennen und folgenden Fragen nachzugehen:
- Wie kann ich den Zugang zum Unternehmen sichern - durch Kontrollen, Tore und Zäune. Kameras und andere bauliche Maßnahmen?
- Ist unser Unternehmen bei einem Ausfall der IT-Systeme oder bei einem Stromausfall weiter handlungsfähig? Gibt es alternative Kommunikationswege?
- Wer hat in der Belegschaft besondere Kompetenzen durch Tätigkeiten bei Feuerwehr, THW oder anderen Organisationen erworben. Kann ich mir diese zu Nutze machen?
- Kann ich Mitarbeiter, die als Reserve-Soldaten oder bei den Blaulicht-Organisationen ausgebildet sind, gezielt für Übungen freistellen und davon sogar profitieren?
- Sollten Mitarbeiter für die Gefahrenlage sensibilisiert werden?
- Braucht unser Unternehmen einen Notfallplan und ein Krisen-Training?
- Wie kann ich einer möglichen Unterbrechung meiner Lieferketten vorbeugen?
Wie stelle ich eine Resilienz in meinen Prozessen sicher?
Im Verteidigungsfall oder bei groß angelegten Sabotageaktionen ist mit einer massiven Störung der Lieferketten zu rechnen – international genauso wie auf nationaler Ebene. Für unverzichtbare Roh- und Betriebsstoffe oder Zulieferteile könnte daher eine eigene Vorratshaltung angezeigt sein. Denken Sie auch an die zahlreichen osteuropäischen LKW-Fahrer, ohne die unsere Güterlogistik kaum funktionsfähig wäre. Was wäre, wenn diese Fahrer in ihren Heimatländern eingezogen würden? Je nach Abhängigkeit ihres Unternehmens von dieser Logistik könnte es sinnvoll sein, eigene Mitarbeiter vorsorglich zu Lkw-Fahrern auszubilden.