Holzpolter im Wald Forst
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Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren sind die drei Stichworte, wenn es um das Ziel des klimaneutralen Unternehmens geht. Der erste Schritt dorthin ist jedoch die Berechnung der CO2e-Emissionen. Der letzte Schritt sollte die Kompensation von unvermeidbaren CO2e-Emissionen sein. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie Ihre erste CO2e-Bilanz erstellen und wo Sie geeignete Kompensationsprojekte finden können.

Im Wesentlichen gibt es drei bedeutende CO2e-Bilanzierungs-Standards: das Greenhouse Gas (GHG)-Protocol, die DIN ISO 14064:2019 Norm und den britischen PAS 2050 Standard. Diese Alternativen weichen in einzelnen Teilen der Norm voneinander ab. Grundsätzlich geht es bei allen Standards um die Ermittlung von Bilanzgrenzen und das Sammeln von entsprechenden Daten. Das GHG-Protocol ist hierbei das wohl am häufigsten verwendete Instrument, da es kostenlos einsehbar ist und international eingesetzt wird. Allgemein spricht man bei allen Standards von CO2-Äquivalenten, weshalb man häufig die Abkürzung CO2e für CO2-equivalents aus dem Englischen findet. Da CO2 nicht das einzige Treibhausgas ist und andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas stärker wirken als die gleiche Menge CO2, gibt es einheitliche Umrechnungstabellen, die einen einheitlichen CO2e-Wert für alle wesentlichen Treibhausgase ermitteln sollen. Zu beachten ist, dass die Klimawirkung sich nicht nur aus der direkten Treibhauswirkung, sondern auch aus der Verweildauer des Gases in der Atmosphäre zusammensetzt. Methan ist zum Beispiel 25-mal klimawirksamer, wobei es mit etwa 10-15 Jahren vergleichsweise kurz in der Atmosphäre verbleibt. CO2 hingegen bleibt bis zu 1000 Jahre in der Atmosphäre bis es durch chemisch/biologische Reaktionen von der Erdoberfläche oder den Meeren absorbiert wird.

Bei der Ermittlung der Bilanzgrenzen werden im Wesentlichen drei Bereiche (Scope I, II und III) unterschieden. Der englische Begriff „Scope“ hat sich als Fachbegriff hierfür etabliert. „Scope I“ umfasst dabei alle direkt vom Unternehmen verursachten CO2e-Emissionen, die im direkten Produktionsprozess angefallen sind. „Scope II“ erfasst im Wesentlichen alle Emissionen, die durch Energie- und Stromverbräuche entstanden sind und „Scope III“ umfasst alle Emissionen, die zwar nicht direkt durch das Unternehmen verursacht, aber im weiteren Sinne mit dem Unternehmen im Zusammenhang stehen, etwa in Lieferketten, Dienstreisen oder Ähnlichem. Der weitaus größte Teil der Emissionen eines Unternehmens ist in der Regel unter Scope III zu finden.

Zusätzlich kann man den Produktionsprozess entlang seiner Wertschöpfung betrachten und hierunter die Bilanzgrenzen erfassen. Da wären im Wesentlichen drei mögliche Unterscheidungen zu machen: „cradle to grave“; „cradle to gate“ und „gate to gate“. Ersteres meint die Betrachtung von der Entstehung des Rohstoffs (z.B.: Erdgas, Kunststoff, usw.) bis zur Entsorgung nach vollständiger Nutzung des fertigen Produkts. Diese Betrachtung ist die ganzheitlichste Betrachtungsweise und gleichzeitig auch die Aufwändigste. Zweiteres meint die Betrachtung von der Entstehung des Rohstoffs bis zum Verlassen des Werksgeländes als fertiges Produkt und Letzteres erfasst den Rohstoff lediglich von Werkstor zu Werkstor als fertiges Produkt.

Wofür die Entscheidung auch fällt, es ist wichtig mindestens 95 Prozent aller Emissionen zu erfassen und dabei zu beachten, dass ein Vergleich zwischen Unternehmen nicht sinnvoll ist. Dies ist wichtig zu verstehen: Das bedeutet, dass ein Benchmarking zwischen Unternehmen nicht das Ziel der CO2e-Bilanzierungsstandards ist, da jedes Unternehmen verschiedene Annahmen über seine Bilanz trifft und eine Ermittlung aller Emissionen einen überproportional hohen Aufwand hervorrufen würde. Dies ist aber auch gar nicht notwendig, um die wesentlichen Emissions-Treiber zu identifizieren und zu eliminieren. Damit folgen die Standards der Nachhaltigkeitslogik, bei der Ökologie, Ökonomie und Soziales in einem sinnvollen Verhältnis zueinander abgewogen werden.

Hat ein Unternehmen seine erste Bilanz erstellt, kann es auf dem internationalen Markt Zertifikate erwerben, die CO2e-Emissionen im gleichen Maße an anderer Stelle auf der Welt reduzieren. Hierfür gibt es verschiedene Standards wie den “Gold Standard”, den “Verified Carbon Standard” (VCS) oder die “Certified Emission Reductions (CERs)” der Vereinten Nationen, die im Rahmen des “Clean Development Mechanism” (CDM) internationale Projekte finanzieren, umsetzen und auditieren. Aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, solche Projekte in Deutschland zu zertifizieren. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass solche Projekte grundsätzlich eine Zusätzlichkeit im Sinne des Klimaschutzes darstellen müssen. Das bedeutet, dass wenn eine Windkraftanlage beispielsweise in Deutschland ohnehin gebaut worden wäre, da sie selbst rentabel funktioniert, keine Zusätzlichkeit entstanden worden wäre. Global gibt es jedoch Regionen, in denen ohne eine solche Investition und Zertifizierung keine Windkraftanlage, sondern ein Kohlekraftwerk gebaut worden wäre, weil Letztere dort günstiger ist und nicht staatlich gefördert wird. Zudem muss die Gefahr der Doppelzählung vermieden werden. In Deutschland beispielsweise hat die Bundesregierung den gesamten Wald als CO2e-Senke auf das nationale Budget anrechnen lassen. Dadurch ist es in der Regel nicht möglich, Wiederaufforstungsprojekte nach Kalamitätsschäden in Deutschland zu zertifizieren. Diese Flächen sind so gesehen bereits für die Bundesrepublik veranschlagt. Möchte man dennoch als regional aktives Unternehmen regionale Waldwiederaufforstungsprojekte unterstützen und gleichzeitig CO2e kompensieren, dann müssen zusätzlich zu dem Wiederaufforstungsprojekt in Deutschland internationale Zertifikate erworben werden.

Das Projekt Waldlokal der Firma PIEL, das mit Unterstützung der IHK Arnsberg und der regionalen Forstämter in Südwestfalen entstand, ist ein solches regionales Waldwiederaufforstungsprojekt, welches die nachhaltige Waldwirtschaft unterstützt. Es kann jedoch nicht als CO2e-Kompensationsprojekt auf die unternehmensinterne CO2e-Bilanz direkt angerechnet werden.

Es ist wichtig CO2e-Kompensation nicht als “Ablasshandel” zu verstehen. Es geht nicht darum sich von jeglicher Verantwortung für die eigenen CO2e-Emissionen freizukaufen, sondern die absolut nicht zu reduzierenden und nicht vermeidbaren Emissionen zu kompensieren. Deshalb sollte Kompensation als letzter Ausweg verstanden werden und nicht als erstes Mittel der Wahl zum CO2e-neutralen Unternehmen.


Serge Esterlein
M.Sc.
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Weiterführende Links

Das Tool "ecocockpit" zur Berechnung Ihrer ersten CO2e-Bilanz finden Sie hier.

Weitere Informationen zum "GHG-Protocol" finden Sie hier.

Den alternativen DIN EN ISO 14064:2019 Standard finden Sie hier zum Erwerb.

Weitere Informationen vom Umweltbundesamt zum Thema CO2-Kompensation finden Sie hier.